NordLink bringt Deutschland und Norwegen näher zusammen

Der Kooperationsvertrag ist unterschrieben – und damit der Weg frei für eine neue, mehr als 600 Kilometer lange Stromleitung zwischen Norwegen und Deutschland: NordLink wird die beiden Strommärkte künftig enger miteinander verbinden. Bundesminister Sigmar Gabriel sprach von einem wichtigen Schritt für mehr Versorgungssicherheit.

Windräder am Fjord© BMWi/ Holger Vonderlind

Am 10. Februar 2015 haben der Übertragungsnetzbetreiber TenneT, der norwegische Netzbetreiber Statnett und die deutsche KfW einen Kooperationsvertrag für das gemeinsame Projekt NordLink unterzeichnet.
 Durch die neue Leitung zwischen dem schleswig-holsteinischen Wilster und dem norwegischen Tonstad rücken der deutsche und der norwegische Strommarkt enger zusammen; NordLink gilt zudem als wichtiger Schritt für die weitere Integration des europäischen Strommarkts.

Wasserkraft als Akku: Bessere Versorgungssicherheit, stabilere Preise

Das neue Seekabel ermöglicht den Austausch von Strom zwischen beiden Ländern und erleichtert den Austausch erneuerbarer Energien, insbesondere von Wasserkraft und Windenergie. So kann über die Direktverbindung je nach Bedarf überschüssige Windenergie aus Deutschland nach Norwegen geleitet werden, wo sie direkt verbraucht wird und in diesen Zeiten Wasserkraft ersetzt. Umgekehrt kann bei hohem Energiebedarf Strom aus norwegischen Wasserspeichern nach Deutschland fließen. Die Betreiber versprechen sich vom Handel mit Übertragungskapazitäten Vorteile für Wirtschaft und Verbraucher, die beispielsweise von stabilen Preisen profitieren.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel begrüßte den Start des Projektes: "Es ist eine gute Nachricht, dass die Projektpartner die finale Investitionsentscheidung für das NordLink-Kabel unterzeichnet haben. Wir unterstützen diese neue Seekabelverbindung, denn sie ist ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr Versorgungssicherheit für Deutschland, aber auch für Norwegen."
 NordLink ist im deutschen Netzentwicklungsplan sowie im Bundesbedarfsplan enthalten und damit als eines der vordringlichsten Ausbauvorhaben der Energiewende identifiziert. Darüber hinaus wurde es von der Europäischen Union als Projekt "von gemeinsamem Interesse" gemäß den Leitlinien für transeuropäische Energie-Infrastruktur eingestuft (PCI-Liste) – das unterstreicht die hohe Bedeutung des Projekts auch auf europäischer Ebene.

Verlust- und wartungsarm: Hochspannungs-Übertragungs-Technik

Das NordLink-Vorhaben soll durch ein Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskabel mit einer Kapazität von 1.400 Megawatt – das entspricht in etwa der Leistung eines Kernkraftwerks – bis 2018/2019 realisiert werden. Mit dem Bau der Leitung kann begonnen werden, sobald die Verträge mit den Auftragnehmern wie etwa Kabelherstellern und –verlegern unterzeichnet sind. Auf einer Strecke von 516 Kilometern (von insgesamt 623 km) ist ein unterirdisches Seekabel durch deutsches, dänisches und norwegisches Hoheitsgebiet in der Nordsee geplant.

NordLink beruht auf dem Prinzip der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Gleichstromleitungen eignen sich besonders für Verbindungen über lange Strecken, da die Leistungsverluste dort geringer sind als bei der im deutschen Übertragungsnetz gängigen Drehstromübertragung – ein großes Plus, das auch die höheren Investitionskosten ausgleicht. Zudem sind die HGÜ-Verbindungen nahezu wartungsfrei. Als Seekabel werden sie bereits zur Anbindung von Offshore-Windparks eingesetzt. Eine sogenannte Konverterstation im schleswig-holsteinischen Wilster sorgt für die Umwandlung von Drehstrom in Gleichstrom (und umgekehrt) und stellt damit den Anschluss an das deutsche Stromnetz sicher.

Das NordLink-Projekt wird von einem Konsortium realisiert, an dem zu jeweils 50 Prozent der norwegische Übertragungsnetzbetreiber Statnett sowie die DC Nordseekabel GmbH & Co. KG beteiligt sind. An DC Nordseekabel halten TenneT und die KfW jeweils 50 Prozent der Geschäftsanteile.